Veronika Westphal

Veronika Westphal

Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Master of Social Work (M.S.W.)

geboren: 1979 in Traunstein
Familienstand: verheiratet

Zusatzqualifikationen:
Case Managerin, Video-Home-Trainerin

 

Vroni, beschreibe uns doch bitte kurz Deinen Werdegang vor Deiner Zeit bzw. seit Deiner Zeit beim Diakonischen Werk Rosenheim.
Nach meinem Studium habe ich für kurze Zeit in einer Wohngemeinschaft für psychisch kranke Menschen gearbeitet und war anschließend fast vier Jahre in der beruflichen Förderung tätig. 2007 habe ich dann bei den Flexiblen Hilfen München der Jugendhilfe Oberbayern angefangen. Nach meinem Start im Landkreisbüro Nord/West bin ich dann nach der Eröffnung mit ins Landkreisbüro Süd/Ost umgezogen. Nach zwei Jahren habe ich dann in den Geschäftsbereich Flexible Jugendhilfe Oberbayern gewechselt - genauer gesagt zur Kinder- und Jugendhilfe Miesbach/Bad Tölz/Wolfratshausen. Und nun bin ich seit Mitte Mai diesen Jahres Bereichsleitung der Flexiblen Jugendhilfe Rosenheim Land.

Unterscheiden sich denn die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe Miesbach von den Angeboten der Flexiblen Jugendhilfe Rosenheim Land?
Nein. Abgesehen von den abweichenden Rahmenbedingungen, ist das Angebot sehr ähnlich. Wir bieten Sozialpädagogische Familienhilfe,Erziehungsbeistandschaft, Clearing, Begleiteter Umgang, Betreuungsweisungen, Therapeutische Familienhilfe, Haushaltstraining, Betreutes Wohnen sowie Jugendsozialarbeit in Verbindung mit Maßnahmen der Jugendwerkstatt an.

Da ist der regionale Unterschied zwischen dem Arbeiten auf dem Land und in der Stadt sicher gravierender. Hast Du hier gewisse Vor- bzw. Nachteile für das eine und/oder das andere erlebt?
Ja, hier sind deutliche Unterschiede erkennbar. Als ich vom Sozialraumbüro München zur Jugendhilfe Miesbach wechselte, bekam ich sozusagen einen Kulturschock (überspitzt formuliert). Was mir sehr bald aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass es auf dem Land oft schwieriger ist, sozialräumliche Ressourcen zu aktivieren. Auch das Installieren von beispielsweise einem Gruppenangebot ist in ländlicheren Gegenden aufwändiger. Denn die Fahrtwege sind lang und viele unserer Familien sind - auch aufgrund mangelnder Infrastruktur - nicht mobil. Das ist häufig ein Problem.
Was das Arbeiten am Land manchmal einfacher macht ist der gegebene Zusammenhalt in der Nachbarschaft - im Gegensatz zu der Anonymität in Großstädten. So erfahren Menschen in Problemlagen oftmals mehr Untertützung durch das vorhandene soziale Netzwerk. Das kann aber sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben. Denn zu unserem Klientel zählen häufig Menschen, die nicht der Norm entsprechen und somit auf dem Land auch schneller auffallen. Hier besteht die Gefahr, dass die Betroffenen von ihrem Umfeld ausgeschlossen werden.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Problemlagen in der Stadt und auf dem Land sehr ähnlich sind, nur die Lösungsansätze sind unterschiedlich.

Hast Du Dich an allen Standorten immer als Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes Rosenheim bzw. der Jugendhilfe Oberbayern identifiziert?
Ja, das kann ich schon sagen. Natürlich unterscheiden sich die Büros und Einrichtungen durch Rahmenbedingungen, Führungsstil, Ausstattung, Budget, usw.. Doch ich finde es immer interessant zu sehen, wie Sachen auch anders funktionieren können und was es zur Folge hat. Ich habe viele verschiedene Möglichkeiten gesehen und kann nun für mich entscheiden, was ich für sinnvoll erachte.
Aber trotz der vielen Unterschiede hatte ich immer das Verständnis "Ich arbeite für die Jugendhilfe Oberbayern". Das liegt an gemeinsamen Veranstaltungen, den allgemein gültigen Standards, aber auch an so Kleinigkeiten wie den beklebten Fahrzeugen. Das breitgefächerte Angebot des Trägers in der Region Rosenheim Das breitgefächerte Angebot des Trägers in der Region Rosenheim und die kurzen Wege hier ermöglichen mir einen intensiven Austausch mit KollegInnen aus anderen Bereichen und gut funktionierende Kooperationen. Das trägt zur erhöhten Identifikation bei.

Was hat Dich an der Position der Bereichsleitung gereizt? Gibt es Gründe, die diese Stelle für Dich erstrebenswert gemacht haben?
Ja, für mich ist diese Stelle aus mehreren Gründen attraktiv. Auf dieser Ebene kann ich Dinge in einem größerem Zusammenhang sehen - ich kann Dinge entscheiden, in Frage stellen und verändern. Und ich habe ein hohes Maß an Mitgestaltung, worauf ich mich sehr freue. Natürlich beinhaltet der Job auch
viele, für mich bisher fremde, Tätigkeiten, die ich als Herausforderung ansehe.

Wo würdest Du Dich im Team positionieren?
Ich bin dabei, das herauszufinden. Im Moment weiß ich noch nicht genau, wo ich mich im Team verorten soll. Ich habe jedenfalls eine andere Rolle als ich sie vorher hatte und das nehme ich auch so wahr. Ich habe andere Aufgaben, mehr Verantwortung und die fachliche Leitung des Teams. Da ich aber nach wie vor in die Fallarbeit involviert bin, sehe ich mich auch weiterhin als Kollegin und nicht ausschließlich als Leitung.

Wie definierst Du Leitung für Dich? Was ist Dir in Deiner Funktion wichtig?
Ich habe gewisse Vorstellungen und Theorien im Kopf und muss jetzt prüfen, wie sich diese in der Praxis umsetzen lassen. Ich möchte die Strukturen kennenlernen, hinterfragen und gegebenenfalls verändern oder verbessern. Ich werde aufmerksam und interessiert sein und neugierig und wachsam die Arbeit sowie sämtliche Prozesse beobachten.
Besonders am Herzen liegt mir ein hoher fachlicher Standard in der Fallarbeit. Hier sehe ich es auch als meine Aufgabe an, mein Team anzuleiten. Dabei ist es mir wichtig, den KollegInnen Eigenverantwortung zu überlassen und je nach Bedarf unterstützend zur Seite zu stehen.

Was muss ein guter Sozialarbeiter Deiner Meinung nach mit sich bringen?
Oft wird den Sozialarbeitern eine klagende Grundstimmung nachgesagt. Das liegt mir weniger - hier würde ich jemanden bevorzugen, der lösungsorientiert denkt und arbeitet. Ganz grundsätzlich sollte ein Sozialarbeiter kommunikativ sein und schnell in Kontakt mit Kindern, Jugendlichen und Familien kommen. Hierbei ist Geschicklichkeit gefragt, sich der jeweiligen Sprache der KlientInnen anzupassen. Ebenso das Wissen über Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit zählt zu den Voraussetzungen eines Sozialarbeiters. Ich finde es in diesem Beruf wichtig, den Wunsch zu spüren, etwas verändern zu wollen. Dabei kann man sich ruhig auch mal von der innovativen Seite zeigen. Ich denke, wer diese Kriterien erfüllt, macht schon einen ganz vernünftigen Job!