Matthias Bierol

Matthias Bierol

Sozialpädagoge (grad.)

Matthias Bierol, Bereichsleiter des Sozialraumbüro`s Laim, ist seit vielen Jahren Mitarbeitender der Flexiblen Jugendhilfen München und nicht nur aufgrund seines Temperamentes und seiner offenen Art eines der bekanntesten Gesichter der Jugendhilfe Oberbayern.

Matthias hat in Siegen Soziale Arbeit studiert und anschließend Berufserfahrung in den unterschiedlichsten Bereichen gesammelt. Im April 2000 startete er seine Karriere im Diakonischen Werk Rosenheim. Seit sieben Jahren ist er als Bereichsleiter tätig.

Um das Geheimrezept seiner erfolgreichen Arbeit zu erfahren, ist mir Matthias im Januar Rede und Antwort gestanden:

Was hat Dich Berufsbild Sozialarbeiter gereizt? 

Matthias: "Der Berufswunsch entstand bereits sehr früh; aus eigener Betroffenheit heraus." 

Was bedeutet Soziale Arbeit für Dich?

Matthias: "Entscheidend ist für mich, dass Soziale Arbeit nicht in der Theorie stattfindet, sondern eine praktische Ausrichtung hat. Soziale Arbeit wirkt unterstützend und wegweisend und das bedeutet, Menschen da abzuholen, wo sie stehen."

Was treibt Dich über Jahre hinweg weiter an? Woher nimmst Du die Motivation? Ist dazu Idealismus nötig?

Matthias: "Ich denke, dazu braucht es sowohl Motivation als auch Idealismus.  Ich persönlich engagiere mich gerne für 50 KlientInnen und deren Angehörige, um sie ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Und wenn man dann - nach wie viel Zeit auch immer - sieht, was aus den Menschen geworden ist, dann weiß ich, dass es sich gelohnt hat.

Das macht mir Spaß und zählt definitiv zu meinen Erfolgserlebnissen." 

Was trägt für Dich zum Ausgleich der vielen negativen Seiten des Jobs bei? 

Matthias: "Für mich steht der Humor im Mittelpunkt. Mir macht mein Job Spaß und das möchte ich auch vermitteln. Im Kontakt mit den Klientinnen und Klienten pflege ich einen humorvollen Umgang - das bewirkt oft Wunder. Die gerade schon genannten Erfolgserlebnisse tragen ebenso dazu bei, die negative Seiten auszugleichen.

Zudem ist es wichtig, sich auf die Menschen und deren Geschichten einlassen zu können und mitzuleiden. Aber man darf nie selbst leiden - dann wäre eine Grenze überschritten, die mir das Arbeiten in diesem Job unmöglich macht."

Erlebst Du nach so vielen Jahren in diesem Beruf noch Herausforderungen? 

Matthias: "Ich würde sagen, ich arbeite nicht sondern ich suche Herausforderungen. Nur so kann die Motivation erhalten bleiben. Zu meinen schwierigsten Aufgaben zähle ich das Teambuilding und Coaching der Mitarbeitenden sowie die Eltern-Kind-Projekte zum Umgang mit aggressiven und gewalttätigen Kindern und Jugendlichen.“ 

Wie lautet Deine Definition von Leitung? 

Matthias: "Ich habe in meiner Funktion als Bereichsleiter gestalterische Freiheiten, die ich sehr geniesse. Und auch, wenn ich keinen Wert auf den Titel lege, so kann Leitung Inhalte manchmal anders transportieren. Zudem finde ich es wichtig, mich auch als Bereichsleiter nicht ganz von der Basisarbeit zu entfernen. Mit meinen Mitarbeitenden pflege ich einen partnerschaftlichen und toleranten Stil der Zusammenarbeit."

Wie hast Du Deinen hohen Bekanntheitsgrad im Stadtteil erreicht? 

Matthias: "Es ist wichtig, den Menschen zu begegnen und zwar in ihrem gewohnten Umfeld / im Alltag.  Zudem pflegen mein Team und ich auch Kontakte zu Menschen, die nicht direkt zum Klientel zählen. Über diesen Weg machen wir unsere Arbeit bekannt." 

Wie sieht denn dieser Kontakt aus?

Matthias: "Es findet zweimal jährlich ein "Internationales Fest“ am Gollierplatz und einmal im Jahr das "Laimer Stadtteilfest" statt. Seit drei Jahren machen wir regelmässige Aktionen mit der KPMG, welche uns auch immer wieder Spenden zukommen lässt.

Ich sehe großen Bedarf darin, auch der Wirtschaft unser Portfolio aufzuzeigen, um das Bild der Sozialarbeit klarer zu machen. Ich erlebe aus der Wirtschaft oft Reaktionen, wie z.B.: "Wir wussten gar nicht, dass Sozialarbeiter Anzug und Schlips tragen." Solchen Klischees kann man entgegenwirken." 

Gibt es Ziele, die Du in Deiner beruflichen Laufbahn noch erreichen möchtest? 

Matthias: "Ja, die Rente (lacht).

 

Im zweiten Teil des Interviews, hat Matthias ganz spontan seine Meinung zu bestimmten Stichwörtern geäußert und von mir begonnene Sätze vervollständigt. Matthias zeigte schlagfertig und unterhaltsam.

Batiken im Dunkeln ist gut Munkeln.

Matthias: "Eine starke Persönlichkeit braucht Geist, Witz und Humor."

Familie zu haben ist erstrebenswert und schön.

Matthias: "Ich als Sozialarbeiter bin menschlich geblieben und nicht verkopft."

Social Medias kenn ich nicht. 

Matthias: "Ist für mich nicht erstrebenswert, obwohl ich selbst auch bei Sozialen Netzwerken aktiv bin. Ich finde es lästig, denn es entspricht nicht der Realität. Die Facebook-Freundschaften haben für mich nichts mit der Realität zu tun."

Sozialraumorientierung ist für mich ...

Matthias: "... das Größte, was es gibt. Und vor allem kann man diese nicht nur im sozialen Sektor machen. Man muss alle, im Sozialraum vorhandenen Menschen, miteinbeziehen. Sprich Wirtschaft, Architekten, Landschaftsbau, usw.."

Birkenstock und Biokeks ... 

Matthias: "... ich habe zwar Biokeks, aber ich mag sie nicht besonders. Mit den Schuhen habe ich mich ganz den Hollywoodgrößen angeschlossen. Die tragen ja schließlich auch Birkenstock."

Verrückt zu sein ist schön. 

Matthias: "Ich bin verrückt genug, um hier zu arbeiten."

Mein Job bedeutet für mich Existenzsicherung und Geld auf dem Konto zu haben. 

Matthias: "Nein, natürlich nicht nur. Mein Job bedeutet für mich Spaß zu haben. Aber auch vorwärts zu kommen, integriert zu sein, sozial anerkannt zu sein und vieles mehr."

Die Jugend heutzutage ist anders als die Jugend zu meiner Zeit.

Nein, der Unterschied sind nicht die Jugendlichen, sondern die Bedingungen sind andere. Mehr Geld, mehr Informationen als wir damals hatten. Es ist schön, dass den Jugendlichen heutzutage so viele Türen offen stehen. Die Frage ist nur, ob sie damit nicht überfordert sind. Aber grundsätzlich finde ich es schön.

Zwei Mädchen, die sich zur Zeit des Interviews im Sozialraumbüro Laim aufhielten, haben mir Matthias mit ihren Worten beschrieben:

Birgit:* "Zu seinem Aussehen ist zu sagen: er ist etwas rundlich, hat eine Glatze und trägt eine Brille.

Er ist ein witziger Typ. Er macht seine Arbeit sehr gut. Ich habe mich auf Anhieb gut mit ihm verstanden und konnte schnell Vertrauen zu ihm aufbauen.

Melanie:*"Meistens ist er ganz witzig. Er locker drauf und manchmal ist er auch ein bisschen frech. Er macht oft Witze, auch wenn sie nicht immer ganz so lustig sind. 

Sein Aussehen: er hat ein Glatze und wenn man seinen Bauch ansieht, dann erinnert das an seinen Namen.

Und? Hätten Sie erraten, wer gemeint ist?

* Namen der Mädchen geändert (Anm. Red.)