Dagmar Badura

 

Qualifikation
Dipl.-Sozialpädagogin (FH)

März 2011

Dagmar Badura

Bürgerhaus Kolbermoor

Dagmar Badura berichtete mir auf sehr unterhaltsame und interessante Weise von ihrer Zeit beim Diakonischen Werk Rosenheim und ihrer neuen Tätigkeit im Bürgerhaus Kolbermoor. Viel Spaß beim Lesen!

Dagmar, 53 Jahre alt, ist in Bernau geboren und in der benachbarten Ortschaft Grassau aufgewachsen. Nach ihrer schulischen Laufbahn (Volksschule, Realschule, FOS) studierte sie in Coburg Sozialpädagogik und stieg im Oktober 1980 mit einer Stelle beim Stadtjugendamt Coburg in das Berufsleben ein. Hier erlebte sie die Entwicklung von der Fürsorge hin zur Tätigkeit des Allgemeinen Sozialdienstes mit. Nach einem halben Jahr wechselte Dagmar in die Suchtberatung des Diakonischen Werkes Coburg, wo sie entscheidend am Aufbau einer Außenstelle in Kronach beteiligt war. Doch der Wunsch, zurück in ihre Heimat zu kehren, verschlug sie nach 10 Jahren Oberfranken zum Diakonischen Werk Rosenheim.

Wie bist Du beim Diakonischen Werk gelandet?

Dagmar: „Nachdem ich in Coburg studiert und einige Jahre dort gearbeitet hatte, habe ich mich entschieden, wieder in den Landkreis Traunstein zu ziehen. Ich bin mit meiner Heimat sehr verwurzelt und wollte wieder in der Nähe meiner Familie leben. Also habe ich mich im Bereich der Suchtkrankenhilfe beim Diakonischen Werk Rosenheim beworben. Daraufhin wurde mir eine Stelle in der Jugendhilfe, genauer gesagt die Verantwortung der abH (Ausbildungsbegleitende Hilfen), angeboten. (Anm. d. Red.: Ausbildungsbegleitende Hilfen sind eine Fördermaßnahme der Bundesagentur für Arbeit bzw. der ARGEn und richtet sich mit Nachhilfeunterricht und sozialpädagogischer Betreuung an Auszubildende aus betrieblichen Ausbildungsberufen, deren Ausbildungserfolg aufgrund schlechter Noten gefährdet ist.) So habe ich am 15.12.1986 bei der Flexiblen und Berufsbezogenen Jugendhilfe begonnen und bin seither für das Diakonische Werk Rosenheim tätig.“

Gibt es besonders positive und / oder negative Ereignisse während Deiner Beschäftigung beim Diakonischen Werk Rosenheim, die für Dich persönlich einen hohen Stellenwert haben?

Dagmar: „Ja, sowohl als auch. Ich habe mich in der abH eingearbeitet und das Diakonische Werk Rosenheim konnte mit seinem Konzept Erfolg verzeichnen. Wir hatten ein großes Einzugsgebiet zu verantworten und waren zu unseren Spitzenzeiten mit bis zu 316 SchülerInnen und 30 Mitarbeitenden vertreten. Doch am 13. Mai 2003 wurde mir mitgeteilt, dass wir die Ausschreibung (die alle drei Jahre stattfand) verloren hatten. Das war der schwärzeste Tag während meiner Zeit beim Diakonischen Werk Rosenheim. Nach 17 Jahren das Aus für abH. Ich konnte zwar die Plätze in Ebersberg behalten, aber das gesamte Rosenheimer Einzugsgebiet fiel weg.“

Was bedeutete diese Abgabe der abH konkret?

Dagmar: „Für mich bedeutete das erst einmal weiterzumachen. Es gab eine große Welle der Umstrukturierung und strategischen Neuplanung. So wurden die Mitarbeitenden der abH Rosenheim weitestgehend in anderen Tätigkeitsbereichen eingesetzt. Allerdings blieb es nicht aus, auch Kündigungen auszusprechen. Das war wirklich eine schwere Zeit für mich. Anschließend musste auch ich mich neu orientieren. Seit Januar 2004 gehörte ich der Jugendwerkstatt an, war für die abH Ebersberg zuständig, organisierte Prüfungsvorbereitungskurse und habe mich erstmals dem Bürgertreff in Kolbermoor gewidmet. Seit 2006 sind wir nun aber wieder an den Ausbildungsbegleitenden Hilfen in Rosenheim beteiligt. Momentan sind wir in Rosenheim mit 47 Plätzen vertreten und in Ebersberg mit 52. Beide Angebote liegen derzeit noch in meiner Hand, werden aber ab April diesen Jahres von neuen bzw. anderen Kollegen/innen übernommen werden.“

Wie müssen wir uns Deine Arbeit im Bürgertreff vorstellen?

Dagmar: „Ein kontinuierliches Angebot des Bürgertreffs ist die Kolbermoorer Tafel, welche ich vor sieben Jahren ins Leben gerufen habe. Die Tafel ist einmal wöchentlich geöffnet und versorgt circa 200 Menschen, darunter 60 Kinder. Es konnten viele Projekte umgesetzt werden, angefangen bei der türkisch-deutschen Märchenstunde (gefördert über „Aktion Mensch 5000xZukunft“), über insgesamt  24 LOS-Projekte (Lokales Kapital für soziale Zwecke; gefördert von der Europäischen Union ESF und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) bis hin zu Kooperationsprojekten, gefördert von der Städtebauförderung der Regierung von Oberbayern und der Stadt Kolbermoor. Manchmal stelle ich auch nur die Räumlichkeiten zur Verfügung, um den Menschen in der Umgebung Platz für selbst gestaltete Freizeit zu bieten. Neben diesen Aktionen, bin ich für die Anwohner Ansprechpartner für alle Belange. Sei es die Unterstützung bei Formularen oder Behördengängen oder die Klärung eines Konfliktes in der Nachbarschaft.“

Nun wirst Du ab 1. April 2011, nach 24 Jahren Jugendarbeit, die Bereichsleitung für die Angebote Tafel, Bürgertreff und Bürgerhaus Kolbermoor übernehmen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und was bedeutet der Wechsel für Dich?

Dagmar: „Die Entscheidung, dass das Diakonische Werk Rosenheim das neue Bürgerhaus in Kolbermoor leiten wird, ist mit der gewonnen Ausschreibung gefallen. Da ich bereits mit dem Bürgertreff in Kolbermoor präsent war, war es naheliegend, mich in das Angebot einzubinden. Und da man nicht ewig „Jungarbeiter“ bleibt, freue ich mich auf die Arbeit mit älteren Menschen. Ich finde es spannend, in einem für mich neuen Aufgabengebiet noch einmal durchzustarten. Aufgrund meiner Tafelarbeit habe ich bereits ein gut ausgebautes Netzwerk, was mir den Wechsel erleichtert. Kurz, ich bin einfach der Meinung, dass es nach 24 Jahren Zeit für einen Neuanfang ist.“

Hast Du bereits Ideen, wie Du Deine Arbeit im Bürgerhaus Kolbermoor gestalten möchtest? Welche Angebote wird es geben?

Dagmar: „Meine zentralen Themen werden Begegnung, Bildung, Beratung und Freizeit sein. Mit gemeinsamen Kochaktionen möchte ich Aktivität mit Geselligkeit verbinden. So können Fähigkeiten trainiert und in der Gemeinschaft das Essen wieder zum Genuss werden. Das gemeinsames Erleben und nicht Versorgung steht im Mittelpunkt. Weitere Projekte, die ich fördern möchte, sind der Talentetausch (z.B. Bügeln gegen Rasenmähen) und die Lesepaten (rüstige/r RentnerIn übt mit einem Schulkind mit Migrationshintergrund das Lesen). Aber auch ganz niedrigschwellige Angebote wie Spielenachmittage oder ein von Ehrenamtlichen bzw. Vereinen geführtes Seniorencafé gehören zum Konzept. Ich verstehe mich als Bindeglied zwischen Angebot und Nachfrage. Es gilt dieses schön sanierte Haus mit Leben zu füllen, damit es sich zu einem gern genutzten Treffpunkt entwickelt. Ein Schwerpunkt  der Arbeit wird die Gewinnung von Ehrenamtlichen sein. Geplant ist auch die Erstellung eines Seniorenwegweisers für Kolbermoor. Aber jetzt bin ich erst mal gespannt, welchen neuen Namen das Bürgerhaus bekommt, da wurde ein Wettbewerb in den Stadtnachrichten ausgeschrieben.“

Es fällt mir auf, dass Du an vielen Stellen beteiligt warst, Neues aufzubauen. Ist das bezeichnend für Deinen beruflichen Werdegang?

Dagmar: „Ja, das stimmt. Das zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Das kommt wahrscheinlich daher, dass ich immer offen für Neues bin und ich mich für Dinge begeistern kann. Zudem freue ich mich über die erfolgreiche Umsetzung einer Idee. Und auch diese Mal bin ich neugierig, wie sich das neue Angebot bzw. das Kolbermoorer Bürgerhaus entwickelt.

„Abschied heißt immer auch der Beginn und das sich Einlassen auf etwas Neues.“ Dieses Zitat von Achim Schmidtmann entspricht der Überzeugung von Dagmar und bringt den Optimismus und die Chancen, die ein Neuanfang hat, zum Ausdruck. Ich wünsche Dagmar viel Energie und eine gelungene Erweiterung des Portfolios durch das Bürgerhaus Kolbermoor!

Dieses Gespräch führte Maria im März 2011.